Die gedruckte Zeitung

Ehrlich gesagt, habe ich zu dem Thema eigentlich gar keine so dezidierte Meinung. Oder doch? Deutschlandradio bringt heute nachmittag ein Streitgespräch zum Thema. Ist die gedruckte Zeitung noch zu retten?

Der ehemalige Chefredakteur von Spiegel und Süddeutscher, Werner Kilz, plädiert für die gedruckte Zeitung:

Die Zeitungen müssen sicher sich also neue Geschäftsmodelle einfallen lassen. Aber ich bin mehr denn je überzeugt, dass wir auch, wenn man heute mal rechnet, vielleicht  in zehn Jahren noch Zeitungen haben werden und auch noch ausliefern. Sicher mit weniger Auflage, aber es bleibt das Informationsmedium einer gesellschaftlichen Elite.

Sein Kontrahent – der Netzjournalist Richard Gutjahr empfiehlt:

Gehen Sie und sehen Sie, was die Menschen in den Händen halten, wenn sie an der Haltestelle stehen. Die Bildschirme haben gewonnen.

Ich gehe davon aus, dass der Streit unentschieden enden wird. Dass die Zeitung das Informationsmedium einer gesellschaftlichen Elite sein wird, halte ich aber für ziemlich zweifelhaft. Auch BILD hat gedruckte Ausgaben und die sind heute – wenn sie in gedruckter Form zu sehen sind – in den Händen von Menschen, die man weniger zur Elite zählt.

Ich muss sagen, es könnte mir eigentlich wurscht sein. Ich lese – auch den FREITAG – nur noch digital. Ich lese auch eine Menge Bücher nur noch digital. Ich bin entzückt über das Ausmaß an Möglichkeiten. Ganze Klassikerbibliotheken kann man mit sich herumtragen.

Als Lampenschirme

sehr erleuchtend

Ein schöner sehr konkreter und dinglicher Kommentar zu diesen Fragen kam mir kürzlich auf einem meiner Einkaufs-Stadtspaziergänge unter. Ich kam an einem Laden vorbei oder –  nein kein Laden – ein Büro. Und die befassen sich offensichtlich – neben vielem anderen – mit Innenarchitektur, Gestaltung in allen möglichen Formen und möglichst unkonventionell, individuell.

ORTerfinder heißt dieses Büro.

Und die stellen im Schaufenster u. a. auch ein Material aus, das ihnen zur Herstellung recht erleuchtender Objekte dient: Geschreddertes.

Papierschnipsel1

Karton, Magazin, Zeitung – geschreddert und bereit zu neuer Verwendung

Schirme aus gepresstem Papier

Super – Lampenschirme, die vielleicht sogar in Redaktionsbüros ein den Raum und die Stimmung erhellendes Accessoir sein könnten.

Motto: Die Druckversion erleuchtete nicht so richtig, die Recycelversion erleuchtet Euch wenigstens die Räume.

 

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Vier von 890. 000

Das Chaos am Berliner LAGESO – es ist jetzt fast schon zwei Jahre her- haben viele Menschen damals mit Anteilnahme und Empörung verfolgt. Es gab zahlreiche Aktivitäten zur Hilfe. Ich bin auch zweimal hingefahren und habe Sachen abgegeben. Schon damals hatte ich das Gefühl, dass die größte Herausforderung nach der aufreibenden Flucht über Land und Meer das Warten im alles umschlingenden deutschen Bürokratie-Dschungel sein würde. Zwischen Stillstand, Verunsicherung, Ohnmacht und Hoffnung bewegt sich das Leben von vier Flüchtlingen, die ein Filmteam unter dem Regisseur Jan Tenhaven über ein Jahr lang begleitet hat.

In Leutkirch auf der Schwäbischen Alb begegnet das Team der syrischen Maschinenbaustudentin Samiha Adakkak. Sie wartet auf die Anerkennung als Flüchtling. Sie sucht ein Praktikum. Das Bewerbungsgespräch – noch kann die Samirah nicht so gut deutsch – wird ein Kabinettstück an Freundlichkeit und Missverständnis. Samiha lächelt, aber sie weiß nicht so recht, worum es geht. Sie hat eine richtige Freundin gefunden – eine der Helferinnen im Flüchtlingslager. Diese Freundschaft hält auch an. Als ich mit meiner Begleiterin gegenüber dem Kino Babylon, wo wir zum Preview des Films eingeladen waren, im Cafe saß, kamen zwei junge Frauen vorbei, sehr vertraut miteinander. Wir sahen sie später im Film wieder. Und sie kamen gemeinsam am Schluss auf die Bühne wie alle Menschen, die der Film durch das Jahr begleitet hatte.

PEGIDA oder normal?

Wenn Said aus Afghanistan in einem Laientheater mitspielt und die Menschen in „Pegida oder normal“ einteilt, könnte man anregen,ein T-Shirt mit diesem Aufdruck herzustellen.

Die Tschetschenische Hausfrau, Zainap die fünf Stunden angehört wird, um ihre Flucht zu begründen, hat die Hölle der Angst hinter sich und viele viele Wochen der höllischen Ungewissheit vor sich – wie alle der Geflüchteten. Herrlich schräg zur mal wieder aufgeflammten Kopftuch- und Bedeckungsdebatte in diesem Lande konstatiert sie: Ich kann hier mein Kopftuch tragen, niemand stört das – im Gegensatz zu daheim. Huch, denkt man. So anders ist das Leben, ist der Alltag als die medial erzeugte Welle  – und das im brandenburgischen Groß Schönebeck.

Der syrische   Flüchtling Hassan gehört zu denen, die auf dem Wege nach Deutschland alles verloren haben. Er floh, weil er nicht kämpfen wollte in diesem schrecklichen Kriege. Seine Frau, die mit einem Sohne zurückblieb, war im siebten Monat schwanger, als er ging. Sie wandte sich einem anderen zu, jetzt hofft er, dass die Kinder zu ihm kommen können. Er hat seine Eltern hier, er ist nicht ganz alllein, aber – gerade er – wirkt so verloren und unsicher.

Besonders beeindruckend aber fand ich, dass alle die Geflüchteten Menschen hier fanden, die ihnen helfen. Zwar ist es immer wieder schwer, zu motivieren und für Hilfe zu gewinnen. Es ist eine Arbeit und manchmal auch wirklich eine schwere Arbeit, die viel viel Geduld erfordert. Die Pfarrersfrau aus Groß Schönebeck hat ihre liebe Not, Helferinnen und Helfer zu überzeugen. Und sie steht dann fünf Stunden und wartet auf die Frau aus Tschetschenien.

Das Verhältnis des jungen Said aus Afghanistan zu seinen „Adoptiveltern“ macht ihn den schrecklichen Verlust der eigenen Eltern nicht vergessen, aber es hilft ihm, sich den etwas schrägen eulenspiegelischen Humor zu bewahren, der ihn kennzeichnet.

Der Hass in den sozialen Medien, Hassausbrüche vor Ort durchziehen den Film visuell und auch in den Berichten der Flüchtlingen spielen sie eine Rolle. Said sagt einmal, er fürchtet sich nicht, wenn er nur einen Pegida-Menschen sieht. Er fürchtet sich, wenn sie in Gruppen kommen. Die sozialen Medien dokumentieren aber auch die Hilfsbereitschaft, die sich viel weniger in den Medien widerspiegelt.

Der Film zeigt und erzählt mit der Kamera, er kommentiert, aber wertet nicht. Und das ist auch gut so. Dass es Konflikte dieser und jener Art gibt, das läuft manchmal zwischen den Sequenzen in einem beiläufigen Satz mit.

Deutschland ist ein ambivalenter Ort. Manche Menschen “tun“ oft sehr weltläufig, aber sie fürchten sich vor zu viel Welt da draußen. Andere zeigen deutlich ihre Abwendung und andere wieder zelebrieren ihren Hass.

Dagegen hilft immer nur immer wieder: Die Menschen zeigen, die zu uns gekommen sind.

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Am Ende viel Beifall für die Autoren und die Mitwirkenden des Films

Sendevorschau Dieses bunte Deutschland  

Dieses bunte Deutschland – Über den Mut nach der Flucht“. Er lief in der Preview am 18. Mai 2017 im Babylon und ist am 31. Mai im Ersten zu sehen. 

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Cherchez la femme

Seit die BILD Zeitung das Wesen der deutschen Leitkultur mit einer Negation auf den Minuspunkt gebracht hat (Wir sind nicht Burka) muss man sich fragen, wo dies schreckliche Kleidungsstück eigentlich in Deutschland zu finden ist.

Wer sich auf die Suche macht, wird fündig: Im Jüdischen Museum ist es zumindest erwähnt – das umstrittene Kleidungsstück und auch zu finden.. Nämlich in der wunderschönen Exposition, die sich unter dem Motto: „Cherchez la femme – Perücke, Burka, Ordenstracht“ mit Verhüllungen in allen monotheistischen Religionen visuell höchst attraktiv beschäftigt.

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Hier eine Vitrine mit vielen Beispielen bis hin zu Burka und Hijab

Sie hat einen etwas breiteren Ansatz und am Ende kommen auch die Männer noch drin vor.

Der Trailer zur Ausstellung mit einer Video-Performance 

Die kleine, zauberhafte Schau wartet mit vielen Beispielen über Form und die Funktion von Verhüllung auf.  Sie dokumentiert auch die sehr unterschiedlichen Erklärungen dafür. In Erinnerung wird gerufen, dass es nicht nur um Religionszugehörigkeit, sondern auch um kulturelle, ethnische, familiäre Zugehörigkeiten geht. Dies kann in einer Umgebung, die manche feste Gewissheiten ins Wanken bringt und neue Anpassungen fordert, durchaus ein Grund sein, Bekleidungen und Bedeckungen wieder zum Zeichen zu machen.

Wobei gerade am Beispiel der Bedeckungen und Verhüllungen sehr viel Entwicklung und Veränderung zu beobachten ist. Das fällt dann auf, wenn junge Mädchen in knallengen Jeans und auch ziemlich „heißen“ Oberteilen ankommen, aber das Kopftuch tragen. Die passen sich auf ihre schräge Weise an, das Kopftuch – es ist ein Accessoire der Gruppenzugehörigkeit, aber mit Züchtigkeit hat es überhaupt nichts oder wenig zu tun.

Als ich kürzlich in einem Gespräch mit jungen Frauen in der Ahmadiyya Moschee die Erklärung hörte, dass es darum gehe, die Reize der Frauen zu verdecken, musste ich innerlich ein bisschen grinsen. Die jungen Frauen heutzutage machen es den Deuterinnen nicht so einfach. Sie interpretieren dieses „Gebot“ eher reichlich subversiv.

Sehr oft ist es das Haar z. B., das es zu bedecken gilt. Das ist z. b. das Thema von „Chelgis“.

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Chelgis – die Installation der im Iran geborenen Künstlerin Mandana Moghaddam stellt damit die ungebändigte „ungeordnete“ Kraft des weiblichen dunklen langen Haares dar. Die Identität aber der Haarträgerin bleibt verborgen. Die Vitrine spiegelt zufällig auch den männlichen Blick.

 

 

 

 

 

Das Bedecken ist oft auch das Bändigen. Das wird nicht nur in diesem Zusammenhang deutlich. Auch die schöne ellenlange Videoperformance, bei der eine junge Türkin erstmal alle verschiedenen Bekleidungen ablegt und dabei immer die Namen der Familienmitglieder murmelt, die sich auf die eben abgelegte Weise bedeckt haben,  handelt vom Bändigen.

Bedecken, Entdecken

Verschleiern, Entschleiern

Kleiderordnungen gab und gibt es in allen Religionen, in vielen Kulturen. Eine junge Muslima drückte in einem Videofilm aus, was ziemlich eindeutig ist. Männer sind viel seltener in die Pflicht genommen, ihre Religionszugehörigkeit mit ihrer Bekleidung zu zeigen – wenn sie es tun, dann tun sie es freiwillig. Z. B. orthodoxe Juden.

Die Frauen in der jüdischen Religion haben sich über die Jahre sehr unterschiedlich bedeckt. Auch das ist zu sehen.

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Die jüdische Sitte, die eigenen Haare unter einer oft sehr kleidsamen Perücke zu verstecken wird  – neben vielen unterschiedlichen Haarbedeckungen – reichlich und interessant bebildert.

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Unterschiedliche Regionen mit unterschiedlichen Kopfbedeckungen

Natürlich nehmen die so unterschiedlichen öffentlichen Debatten um das Thema einen breiten Raum ein. Ein orthodoxer Jude, der wegen seiner öffentlich gezeigten Religionszugehörigkeit angegriffen wird, wird in Deutschland immer Alarm auslösen, aber eine muslimische Frau, die ihre Religiosität durch das Kopftuch dokumentiert, wird weniger mediale Solidarität erleben. Es ist klar, warum das so ist, aber es ist  weniger gut, die Irritationen über zuviel religiöse Zeichen in der säkularen Öffentlichkeit vornehmlich an den Frauen abzuarbeiten.

Eine zwielichtige Zuschreibung

sollte ernst genommen werden

Die Wendung „Cherchez la femme“ (Such‘  die Frau) wurde einst – so kann man nachlesen – im  Zusammenhang mit schweren Straftaten verwendet. Gemeint ist damit, dass man bei bestimmten raffinierten Kriminalfällen zuallererst fragen sollte, ob eine Frau dahinter steckt. Eigentlich eine ziemlich negative Bedeutung. Heute kann man das getrost ins Positive wenden, aber man sollte diese Aufforderung dann auch ernst nehmen:  „Cherchez la femme“ und zwar jede einzelne,  ob mit Perücke ob unter Kopftuch, Hijab oder Burka. Jede einzelne Frau erst einmal auf ihre Weise ernst zu nehmen und nicht als Beweismittel, Symbol oder Objekt fremder Bestimmungen zu betrachten, das wäre schon eine gute Suche.

Wie auch immer – es ist ein reiner, aber höchst erfreulicher Zufall, dass mit dieser der medial inszenierten Leitkulturdebatte, dem peinlich propagierten Zeitgeist wunderbar ein Bein gestellt wird und die die Verhüllungen gleich auch noch allerlei entlarvt und enthüllt.

Übrigens: Einst waren die einzigen Frauen, die keine Kopfbedeckungen trugen, die Sklavinnen. Denen war es verboten.

Hier ist das entsprechende Journal dazu zu lesen.

https://www.jmberlin.de/ausstellung-cherchez-la-femme

 

 

 

 

 

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Emanuel Macrons mutige Initiative

Die Debatte um die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Frankreich wirft ein durchaus erhellendes Licht auf die Haltung und Gesinnung der Kandidatin und des Kandidaten.

Djamila Bouhired und und Djamila Boupacha – das waren die beiden Namen, die der Brutalität und menschenverachtenden Gewalt des algerischen Unabhängigkeitskrieges von 1954–1962 Namen und Gesicht gaben. Auch in der DDR wurden ihre Namen oft genannt – „Freiheit für Djamila“ stand sogar an Hauswänden.

Die jungen Algerierinnen wurden beschuldigt, an Bombenattentaten beteiligt gewesen zu sein. Sie waren Mitglieder der FNL – der Nationalen Befreiungsfront, die gegen die französische Armee kämpfte. Es war ein blutiger und unerbittlicher Kampf. Ich war noch Schülerin, als ich im Kino einen Film sah, der Djamila Bouhireds Kampf gewidmet war. Um Geständnisse zu erpressen wurden beide jungen Frauen tagelang brutal gefoltert.

Im Falle von Djamila Boupacha trug eine breite internationale Aufmerksamkeit und Solidarität zu ihrer Entlassung aus dem Gefängnis bei. Pablo Picasso malte sie und viele Künstlerinnen und Künstler setzten sich für sie und für ein Ende des Kampfes in Algerien ein.

Algerien wurde im Jahr 1962 unabhängig. Aber, die Folgen und Traumata dieses Krieges blieben lange Zeit unbearbeitet.

Im April dieses Jahres reiste der Präsidentschaftskandidat Emanuelle Macron nach Algerien und dort nannte er den Kolonialkrieg ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ . Er traf auf Entrüstung, aber er löste damit eine breite Debatte in Frankreich aus.

Die Süddeutsche Zeitung berichtet ebenfalls darüber ausführlich  Die Zeitung thematisierte auch den schwierigen Balanceakt dieser Initiative, denn der Algerienkrieg kannte auch bei den Algeriern selbst Verlierer.

Der Umgang mit der Vergangenheit

Ehrt Macron und entlarvt Le Pens Denken

Während des Fernsehduells zwischen Marine Le Pen und Emanuelle Macron thematisierte auch Le Pen die Initiative Macrons. Es ist nicht überraschend, dass sie Macron vorwarf, eine „Kultur der Reue“ zu inszenieren. Das ist nicht verwunderlich, denn die Front National hat ihre Wurzeln auch in der rechten französischenTerrororganisation OAS in der Le Pens Vater seine Karriere startete   und die auch in Algerien eine blutige Spur hinterließ.

 

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Das Volk

Marine Le Pens „Volksbemühungen“ sind mir schon immer ziemlich verdächtig gewesen.

Ich bin, wenn der Begriff verwendet wird, immer ein bisschen in Verlegenheit. Denn der Ruf „Wir sind das Volk“ war ja eigentlich keine Akklamation, sondern eine rebellische Erinnerung an die damals Herrschenden, die das Wort vom Volk ständig im Munde führten.  Jetzt ist es schon wieder höchst zwiespältig. Jetzt kommt noch „völkisch“ dazu.

Ich lese gerade Thomas Mann „Dr. Faustus“. Seltsamerweise habe ich seinen Essay über die Entstehung des Buches mit größerem Interesse gelesen als das Buch jetzt. Trotzdem eine – wenn man sich die Zeit nimmt – sehr  spannende Lektüre. Nicht nur wegen der so zutreffenden Weisheiten und Wahrheiten.

„Für den Freund der Aufhellung behalten Wort und Begriff des „Volkes“ selbst immer etwas Archaisch-Apprehensives, und er weiß, dass man die Menge, nur als „Volk“ anzureden braucht, wenn man sie zum Rückständig Bösen verleiten will. Was ist vor unseren Augen, oder auch nicht just vor unseren Augen im Namen des „Volkes“ nicht alles geschehen was im Namen Gottes oder der Menschheit oder des Rechtes nicht wohl hätte geschehen können!“

Alles gesagt.

 

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Bundesplatz – Bahnhof Zoo

Von der S-Bahn-Station Bundesplatz über die Bundesallee bis zum Bahnhof Zoo sind es ungefähr 5 Kilometer. Stand jedenfalls gestern auf meinem Schrittzähler so, der auch in Kilometer umrechnet. Verbraucht habe ich damit ungefähr 250 kcal. Das war gut.

Blick in die Bundesallee

Ich habe erst noch Abstecher gemacht in die

Sarrazinstraße 8

Sarrazinstraße 8 2

 

und bin dann um die Ecke an der

Niedstraße 13

Niedstraße in Friedenau

vorbei gegangen. Zwei denkwürdige Adressen. Und an der Ecke am Buchladen Zauberberg auch noch eine Einladung zu einem Gespräch über Uwe Johnson. Sie planen eine neue Gesamtausgabe seiner Werke. Auch er hat – wie noch viele andere – in Friedenau gewohnt.

Uwe Johnson Lesung 2

Ich lese – immer wieder – Max Frischs „Aus dem Berliner Journal“

Und will darüber irgendwann auch mal was längeres sinnieren.

Ich finde das – noch immer – so irre, dass man jetzt in dieses Friedenau fährt von Pankow aus über die Ringbahn, alltagsmäßig, gewohnheitsmäßig geärgert, dass es auch da schon wieder Störungen und so was gibt, und dort nachgucken kann, wo die Dichter einst wohnten und prüfen kann, wie weit es von dort eigentlich bis zum Cafe Kranzler ist.

Cafe Kranzler

Das ist meiner Generation und noch einer ganzen nach mir vergönnt, dieses anhaltend wundersame Gefühl.

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Der Zeitgeist in hashtags

#fußball   – unterhält die Massen und bringt Geld

#kapitalismus – Sport im kapitalismus bringt viel Geld

#börse – weil Fußball viel Geld bringt, geht man an die Börse, um noch mehr Geld zu kriegen

# terrorangst – lässt sich ganz prima auch ökonomisch umsetzen, wie alle wissen.

#bombenanschlag – kann viele ursachen haben, aber die fiebrigen Zeiten animieren auch Menschen, die bis dato noch wenig mit Gewalt zu tun hatten.

#posttraumatische belastungsstörung – wird bei Sportlern gnadenlos entweder medial vermarktet aber ignoriert, wenn es um einen Spieltermin geht.

#gier – führt zu höchst anormalen Verhaltensweisen, die sich auch in Gewalt ausdrücken können.

# derivatenhandel – der Handel mit Optionsscheinen ist ein Geschäft, das mit

# wetten zu tun hat. Auch Sport hat mit Wetten zu tun – so schließt sich der Kreis.

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Karfreitag

Die Karwoche erinnert mich immer sehr an meine katholische Kindheit in der atheistisch-protestantischen Diaspora der Liebfrauen Gemeinde Leipzig-Lindenau.

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Erbarme Dich, Allah

Dieses „Erbarme Dich“ aus Bachs Matthäus-Passion fiel vor kurzem plötzlich mitten hinein in meinen Nachmittagsschlaf. Ich dachte erst, es gehörte noch zu der Sendung über Johannes Bobrowski zuvor, über der ich ein bisschen eingenickt war. Das Geigenspiel hätte leicht durchgehen können als eine süße-wehmütige Reminiszenz an ein Land, das in der Ferne und der Vergangenheit liegt – Sarmatien.

Eine Aufnahme die mir Durch und Durch ging. Sehr verlangsamt. Der Autor der ganzen Sendereihe über Bach, die seit vielen Wochen läuft, erklärte, dass dies eine alte Aufnahme der englischen Altistin Kathleen Ferrier (1912-1953) sei, der nur eine sehr kurze Karriere beschieden war. Sie starb mit 42 Jahren an Brustkrebs. Heutige Aufnahmen seien meist 2 Minuten kürzer als diese.

Die Suche nach dieser Aufnahme aber förderte weitere ganz wunderbare Entdeckungen zutage.

Erbarme Dich Allah singt Fadia Tom El-Hage eine Libanesin mit palästinensischen Wurzeln. Begleitet wird sie hier von einer Niederländischen Bläsergruppe, aber sie tritt meistens mit dem Ensemble  Sarband auf.

Ich war von diesen Tönen völlig verzaubert. Die Bitte um Erbarmen wandelt sich in eine bittere Klage.

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Johannes Bobrowski (1917 – 1965)

Der deutsche Dichter, den vielleicht gar nicht so viele Leute kennen. Oder doch? Ich bin vielleicht gar kein Maßstab. Ich kenne und verehre seinen Namen und freue mich über die vielen vielen Zeugnisse über sein Wirken.

Als ich 1966 nach Berlin kam, war er schon ein Jahr tot. Ich aber hatte eine poesiebegeisterte und auch -bewanderte Kommilitonin, die mir immer wieder von ihm sprach. Ich hörte ihr zu, respektvoll aber kenntnislos. Erst viel später gewann ich mehr Wissen über ihn. Er war einer, dessen früher, sinnloser Tod – er starb an einem, zu spät erkannten – Blinddarmdurchbruch – eine künstlerische Karriere beendete. Einen, der schon „groß“ war in seiner Zeit.  Eine Institution.

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