Marianne zwischen Simpelveld und Köln

(3. Teil meiner biographischen Erkundungen. Marianne – meine Mutter- war in Dessau, um ihren Vater um Hilfe zu bitten. Hinter ihr lagen bittere Jahre. )

Simpelveld

Ob es zwischen Helene und dem Vater ihrer Tochter Marianne noch Kontakte gab, darüber ist nichts bekannt. Helene-Laura, die sich später Sonja nennt, verließ Stettin und auch der preußische Leutnant ist in Richtung Berlin weiter gezogen.

Meine Mutter erinnerte sich zwar, dass sie als kleines Kind einmal in Berlin war, aber ob dieser Aufenthalt etwas mit ihrem Vater zu tun hatte, ist sehr zweifelhaft.

Laura, Sonja, Helene Geisler wollte bekannter werden, neue Engagements finden. Darum zog sie mit dem Kinde durch viele Städte Deutschlands. Marianne wurde manchmal sich selbst überlassen, manchmal überschwänglichen Liebesbezeugungen ausgesetzt. Bald aber wurde sie lästig, weil sie die Pläne der Mutter störte. Die verwendete alle Kraft auf ihre Karriere, auf ihr eigenes Leben. Als das Kind zur Schule musste und es die Mutter nicht mehr zu den Orten ihrer Engagements begleiten konnte, wurde es in das katholisches Mädchenpensionat gegeben – nach Simpelveld in den Niederlanden, nicht weit von Aachen.

Blick auf das Kloster der Schwestern vom Armen Kinde Jesu. Foto aus den Jahren um 1900

Bei den Schwestern vom armen Kinde Jesu verbrachte das Mädchen Kindheit und Jugend bis zum 17.Lebensjahr. Dort konvertierte Mariannezum Katholizismus. Sie hat ein kleines Dokument hinterlassen, auf dem diese Konversion in französischer Sprache bescheinigt ist. Warum in Französisch weiß ich nicht. Sie erwähnte einmal, das sie im Verlauf des ersten Weltkrieges wohl eine Weile auch in Belgien war. Ich sehe es mir hin und wieder an. Am 18. November 1915, im Alter von elf Jahren, wurde aus dem in der Stettiner Lutherkirche evangelisch getauften Mädchen ein katholisches. Ihr biologischer Vater ist zu dieser Zeit in Frankreich im Krieg, er führt einen Scheinwerferzug  – beleuchtet das Schlachtfeld.  Die Mutter besucht sie wohl zu Beginn hin und wieder, aber bald lässt sie nichts mehr von sich hören. Sie habe das für die Erziehung der Tochter bestimmte Geld, das der Vater gezahlt haben soll, wohl lieber für sich selbst verwendet, berichtet die Familienkolportage.

Die Folgen für Marianne sind eine wenig unterdrückte Geringschätzung durch die erziehenden Nonnen und ständige Ermahnungen zu besonderer Demut. Marianne lernt ordentlich, in den Fächern, in denen auch ihr Vater gut war. Sprachen lernt sie schnell, besonders eifrig ist sie in Französisch, auch im Aufsatz bekommt sie gute Noten. Vom Gesangstalent der Mutter hat sie ebenfalls ein wenig geerbt und singt im Kirchenchor kleine Solopartien. Mit 17 Jahren wird sie aus dem Pensionat entlassen. Sie geht allein und zu Fuß  – in einem Handwagen sind ihre Sachen – nach Aachen, um von dort weiter nach Köln zu reisen. Sie will sich mit der Mutter treffen.

Begegnung in Köln

Helene oder Laura oder Sonja Geisler war in den zwanziger Jahren längere Zeit in Köln im Engagement. Als die Tochter sie aufsuchte und vorschlug, gemeinsam zu wohnen, muss sie das sehr erschrocken haben. Es erschien ihr absolut indiskutabel, in Verbindung mit einer Tochter gebracht zu werden, aus deren Alter man auf das ihre schließen konnte. Sie war fest davon überzeugt, dass es in Köln, der Stadt „wo mich doch jeder kennt“ einen Skandal geben würde, wenn bekannt würde, dass sie Mutter eines Kindes und auch noch in diesem Alter ist. Sehr wahrscheinlich ist auch, dass sie einen Geliebten hatte. Auch da hätte die Tochter gestört. Und dieses Kind hatte ziemlich konventionelle Vorstellungen über die Führung eines Haushaltes und über Ordnung im Leben. Die klösterliche Erziehung hatte Spuren hinterlassen.

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Köln am Beginn des 20. Jahrhunderts

Sie kamen also nicht zusammen, die Mutter und ihre Tochter. Sie trennten sich in tiefem Groll. Meine Mutter sprach von der ihren nur noch im Ton höchster Verachtung. Die Tochter musste für sich selbst sorgen.

 Ein Dienstmädchenleben

„Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bestand eine große Nachfrage nach Dienstmädchen, doch ihre Lebensumstände waren schlecht. Oft unterdrückt von herrischen Hausfrauen mussten sie auch in der ständigen Angst vor sexuellen Übergriffen der Hausherren oder Haussöhne leben. Das Ziel des Mädchenschutzes, die Frauen vor der Prostitution oder dem Status des „gefallenen Mädchens“ zu retten, wurde so nicht immer erreicht. Auch der Versuch des katholischen Mädchenschutzes, christliche Werte wie Tugendhaftigkeit und Reinheit zu vermitteln, verblassen vor diesem Hintergrund. Die Zielsetzung des Mädchenschutzes lag dennoch vor allem in der Vorbereitung der jungen Frauen auf ein späteres Leben als Hausfrau und Mutter“.(Aus einer Hausarbeit der Universität Köln)

Nach der wenig harmonischen Begegnung mit der Mutter suchte sich Marianne eine Stellung als Dienstmädchen. Sie arbeitete im Rheinland und Niedersachsen genau zehn Jahre lang in verschiedenen Anstellungen. Fast jedes Jahr wechselte sie die Herrschaft. Davon hat sie oft erzählt und alles, was sie berichtete, war von Bitterkeit durchtränkt. Gleich bei der ersten Stellung in Köln erlebte sie, dass die rheinländische Gemütlichkeit auch ihre brutalen Seiten hat. Vom Hausherrn einer Familie, bei der sie angestellt war, wurde sie vergewaltigt und es kam zu einem Prozess, der für das junge Mädchen voller Peinlichkeiten und Anschuldigungen war. Die Autoritäten der zuständigen Ämter hätten erwogen, sie ins „Kloster zum Guten Hirten“ zu bringen. Diese Einrichtung kümmerte sich damals um junge Mädchen, die in Gefahr schwebten, der Prostitution zu verfallen. In einer anderen Familie borgte sich die Dienstherrin Geld von ihr, das aber niemals zurückgezahlt wurde.

Versicherungskarten

Einige Nachweise ihrer Beschäftigung in der „Rheinprovinz“ waren noch in ihrem Nachlass zu finden. Ich erinnere mich, dass sie hin und wieder über ihre Anstellung auf der Burg Hemmersbach in Horrem sprach. Dies war der Landsitz der Grafen von Trips, deren Sohn der später sehr bekannte der Rennfahrer Graf Berghe von Trips ist. Dort sei es ihr recht gut gegangen, erzählte sie, Es gab Regeln und Formen und ausgehandelten Lohn. Außerdem waren dort eine größere Zahl von Dienstboten, so dass sie nicht allein einer kleinbürgerlichen „Gnädigen Frau“ ausgesetzt war, welche die eigene Unbedeutendheit am Dienstmädchen abreagiert. Zwei der acht Versicherungskarten, die meine Mutter aufbewahrt hat, sind in Horrem Bezirk Köln ausgestellt. Weitere Versicherungsnachweise gibt es von ihr über eine Stellung in Köln , dann in Horn in Lippe und in Hannover.

Über diese Zeit zwischen 1923 und 1933 erzählte meine Mutter immer mit großer Bitterkeit. Sie konnte sich in die für sie ausersehene dienende Rolle nicht hineinfinden, ein innerer Stolz hinderten sie daran. Zudem war sie recht gut ausgebildet und fühlte sich oftmals – so hat sie es berichtet – ihren Dienstherren überlegen. Was auch immer sie mir berichtete, es handelte davon, wie traumatisch für sie diese Jahre waren. Sie haben sie mehr geprägt als die sehr demütigende Behandlung in Simpelveld. Von den Leiden und Erniedrigungen, die noch folgen sollten, ganz zu schweigen.

Versicherungskarte aus Horrem aus der Dienstzeit bei den Grafen von Trips

So sind immerhin zwei der acht Versicherungskarten, die meine Mutter aufbewahrt hat, in Horrem Bezirk Köln für die Jahre 1927 und 1928 ausgestellt. Weitere Versicherungsnachweise gibt es über Stellungen in Köln, in Horn in Lippe und in Hannover. Aber, wo auch immer sie in Stellung war, sie konnte sich in die dienende Rolle nicht hineinfinden, ein innerer Stolz hinderte sie daran. Sie war ja recht gut ausgebildet und fühlte sich oftmals ihren Dienstherren überlegen. Was sie uns erzählte über diese Zeit handelte davon, wie sehr sie sich in diesen Jahren unterdrückt, aufgeliefert und fehl am Platz gefühlt hatte. Ich denke heute, dass diese Zeit sie mehr gekränkt hat als die sehr demütigende Behandlung im niederländischen Simpelveld. Von den Leiden und Erniedrigungen, die noch folgen sollten, ganz zu schweigen.

In den fünfziger Jahren sahen wir uns einmal einen ungarischen Film mit dem Allerweltskriminal-Titel „Schuldig?“. Es handelte sich dabei um eine Verfilmung des Romans „Anna Edes“ von Dezsö Kosztolányi. Darin werden die psychischen Misshandlungen und seelischen Demütigungen eines Dienstmädchens im Budapest der 20er Jahre beschrieben. Es ermordet daraufhin das brutale Paar. Meine Mutter kam damals weinend aus dem Kino, denn der Film hatte sie tief in der eigenen Empfindung getroffen. Die Erlebnisse als Dienstmädchen müssen es gewesen sein, die sie bewogen haben, ihren leiblichen Vater um Hilfe zu bitten. Sie muss erfahren haben, dass er Einfluss hatte, dass er ihr helfen konnte. Sympathie gab es wohl kaum.

Eine Arbeitsstelle in Leipzig

Er vermittelte Marianne eine Stelle im Büro in einem Betrieb in Leipzig. Allgemeine Transportanlagen (ATG)  war ein Betrieb der aufstrebenden Luftrüstung. Dort etablierte sie sich, bezog in Zimmer in Untermiete und lebte – wie sie sich gern erinnerte – ein ruhiges und gleichmäßiges Leben. Sie war beliebt bei ihren Kollegen. Und sie fühlte sich endlich befreit und geschätzt.

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Mein illegitimer Großvater – vom preußischen Leutnant zum Nazifunktionär

(2. Teil meiner biographischen Erkundungen)

Die Großmutter war ein Miststück, ein künstlerisch begabtes Miststück. Ich nehme an, dass das den noch sehr jungen Fahnenjunker Wilhelm Friedrich enorm fasziniert hat.

Wilhelm Friedrich L. aber war ebenfalls ein Miststück,  ein politisches Miststück, denn noch mehr als Laura Helene hat ihn –  später – ein Mann namens Adolf Hitler fasziniert. All das führte dazu, dass er später in Dessau, seiner Heimatstadt, den Bau eines reichlich protzigen Theaters initiiert hat. Vorher hat er sich noch an der Vertreibung der Bauhaus-Künstler aus Dessau beteiligt mit bösartigen antisemitischen Argumenten. Als das Theater eingeweiht wurde, war er schon tot, denn er ist bereits im Jahr 1935 gestorben, Sein aufopferungsvoller Kampf für Hitlers Machtergreifung hat dazu geführt, dass der Führer an seinem Grab die Trauerrede hielt.  Seine Funktion nannte sich Reichsstatthalter von Dessau Anhalt und Braunschweig. Sein Lebensweg wäre ein Gang durch die Dramen und Tragödien der deutschen Geschichte. Das soll hier nicht so ausführlich erzählt werden weil es die familiäre Linie, der ich ja folgen will, einfach zu sehr ausdehnt. Aber ich kann auf einige zusätzliche Texte von mir dazu verlinken .

Wer war Wilhelm Friedrich Loeper

Sein einziger Berufswunsch war, Offizier zu werden. So trat er 1903 als Fahnenjunker in das Pionierbataillon Spandau ein. Dann besuchte er die Kriegsschule in Neiße und wurde 1904 zum Leutnant befördert. Danach war neben Allenstein und Graudenz auch Stettin sein Standort, wo er Laura Helene begegnete.

Geboren wurde Wilhelm Friedrich Loeper 1883 als Sohn eines Apothekers in Schwerin, er wuchs aber in Rosslau an der Elbe auf, weil sein Vater die dortige Apotheke übernommen hatte. Er soll ein stilles Kind gewesen sein, das gern mit Soldaten spielte.

Ich frage mich. Wo könnten sich Wilhelm Friedrich und Laura begegnet sein. Hat er sie im Theater bewundert und nach der Vorstellung eingeladen? Sind sie an den Hakenterassen spazieren gegangen? Wo haben sie sich getroffen? Sie sind sich doch so nahe gekommen, dass ein Kind gezeugt wurde. Die spätere Prominenz Wilhelm Friedrich Loepers hat dazu geführt, dass es zahlreiche Bilder von ihm im Netz gibt. Er ist ein unscheinbarer Mann, wenig auffällig, wahrscheinlich auch nicht sehr groß. Kein Mann, der besonders viel Charme ausstrahlte.

Nicht verwandt mit seinem Kind

Ich hatte bei meinen Recherchen die Hoffnung, dass der Vater trotz der unehelichen Geburt irgendwie eine Spur in offiziellen Dokumenten – z. B. den Kirchenbüchern, die ich durchsah – eingetragen ist, aber wie ich jetzt weiß, war das ist nach der damaligen Rechtslage gar nicht möglich. Nach den Gesetzen der Kaiserzeit war er noch nicht einmal mit seinem Kind verwandt. Die Kindesmutter hatte zwar das Sorgerecht, aber nicht das Recht zu seiner gesetzlichen Vertretung. Dafür brauchte es einen Vormund, über den meine Mutter jedoch nie etwas berichtet hat. Anzunehmen wäre, dass es die Eltern der Kindesmutter waren oder die des Kindesvaters. Ein uneheliches Kind hatte bis zum 16. Lebensjahr Unterhaltsansprüche gegenüber dem Erzeuger. Da der preußische Leutnant für sein Kind aufgekommen ist, wie meine Mutter mir berichtete, muss er also die Vaterschaft anerkannt haben. Vielleicht war er sogar zugegen als das Kind getauft wurde, auch wenn er nicht im Taufregister als Vater auftaucht.

Wilhelm Friedrich wird bald zu anderen Standorten weiterziehen. Er besucht die Militär-Technische Akademie in Berlin. 1912 wird er zum Oberleutnant befördert.

Das weiß ich aus Quellen, die mir bis 1989 niemals bekannt geworden wären. geschweige denn, dass ich sie hätte in der Hand halten können. Daher weiß ich auch, dass er seine Liebe zum Theater bis zu seinem Tode behalten hat.

Der Eulenburg-Skandal

Wilhelm Friedrich L.‘s  Eskapaden sind ein Spiegelbild der Tändeleien des Zeitgeistes am Beginn des 20. Jahrhunderts, dieses ständigen Schwankens zwischen Schwärmerei, Eroberungsdrang, Poesie und Marschtritt. Was der Kaiser – der von allen verehrte Monarch – pflegte, konnte ja nicht vollends nichtswürdig und weichlich sein. Wenn er das Leben genoss mit Rosengirlanden und Gartenlaube, mit gefühlvollen Theaterstücken und allgemeiner Liebesschwärmerei, warum nicht auch ein kleiner Militär in dieser Zeit? Schon bald war es damit ohnehin zu Ende.

Ein Jahr nach der Geburt meiner Mutter erschütterte der Eulenburg-Skandal das Reich und ganz Europa. Die politisch-peinliche Debatte darum, ob Kaiser Wilhelm II. nicht mit zu vielen weibischen, weichen und schöngeistigen Spinnern verkehrte wurde umfassend geführt. Mit Philipp Fürst zu Eulenburg-Hertefeld, einem Diplomaten, Schöngeist und Salonkünstler hatte der Monarch die einzig wirkliche Freundschaft geschlossen. Der nutzte diese Freundschaft allerdings zu massiven politischen Intrigen und Einflussnahmen. Die Anschuldigungen des politischen Publizisten Maximilian Harden gegen ihn und die kaiserliche Kamarilla, die alle in den Verdacht der Homosexualität brachten, erschreckten die Schwärmer. Es ging Harden damals wohl nicht darum, Homosexuelle zu denunzieren, aber darum, Männer als Politiker zu vernichten, die – aus seiner damaligen Sicht – zu weich waren, „im Notfall das Schwert“ zu ziehen. Im Jahre 1908 wurde ein Prozess gegen Eulenburg wegen Meineids vor dem Berliner Landgericht eröffnet. Er hatte beschworen, keine homosexuellen Beziehungen unterhalten zu haben. Es fanden sich jedoch zwei Männer, die bezeugten, vor 20 Jahren mit ihm solche unterhalten zu haben. Wilhelm II. ließ seinen langjährigen Freund und Vertrauten sofort fallen.

Schluss mit den Tändeleien

Wilhelm Friedrich L. hatte seine Ausbildung fortgesetzt. Und nun wird bald Schluss sein mit der Tändelei und den Leichtfertigkeiten. Er ist gewappnet der preußische Leutnant: Gegen eventuelle Reizbarkeiten, Schwärmereien Spinnereien und Kunstsinnigkeiten. Auch gegen die Verführungen der Sinnlichkeit? Gegen die Frauen, das ewig unordentliche, verführerische und subversive Geschlecht? Waren sie nicht überhaupt die Urheberinnen allen Übels, die Frauen?

Jetzt ist er seriös geworden, lässt die unordentlichen Zeiten hinter sich, verlobt sich mit einer jungen Frau, die – nach dem, was bekannt ist – aus seinen Kreisen stammt und den Namen Elisabeth trägt. Energisch wendet er sich seiner wahren Bestimmung zu. Alles was ab jetzt in seinem Leben geschieht, ist nur noch militärisch-preußisch, hat mit seiner Offizierslaufbahn, mit Krieg und Kampf zu tun. Im Jahre 1912 war er zum Oberleutnant befördert worden. Im Sommer 1914 ist er 31 Jahre alt und führt einen Scheinwerferzug in einem Pionierbataillon, zuständig für die Beleuchtung der Kriegsszenerie und für Sprengarbeiten.

Das Attentat von Sarajevo erschüttert den Kontinent. Das „Augusterlebnis“, die überschwängliche Kriegsbegeisterung schlägt auch ihn in seinen Bann. „So muss denn das Schwert entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf! zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande.“ so hatte der Kaiser am 6. August das Volk zu den Waffen gerufen.

Der Glaube, dass ein solcher Waffengang jetzt schicksalhaft geboten sei, ist auch beim preußischen Oberleutnant L. unerschütterlich. „

 

Marianne in Dessau

Vater und Tochter kannten sich kaum.  Sie wusste nicht viel über ihn  und schon gar nicht war meine Mutter von Adolf Hitler oder den Nazis fasziniert. Ganz im Gegenteil. Ich nehme aber an, dass sie sich von ihm Hilfe bei der Suche nach einer Arbeitsstelle erhoffte. Das muss so 1933 gewesen sein und sie Ende Zwanzig. Damals habe er ihr gesagt, „Ihre Mutter konnte man nicht heiraten“. Das kann alles Mögliche heißen, sowohl dass sie ihn nicht für die Ehe wollte, weil sie ihr Leben anders leben wollte, als auch, dass er sie zurückgewiesen hat, weil er ebenfalls eine Karriere anstrebte, eine militärische. Als die Tochter zu ihm kam, war er verheiratet und nun kam die „Frucht einer sündigen alten Beziehung zu ihm. Eine Konstellation wie in einem Kitschroman.

Hier einige Links zu Texten über ihn beim FREITAG.

Ein Vorfahr und sein Krieg

Ein Vorfahr und sein Krieg II

Eine Ohrfeige in Oranienburg

Ein Vorfahr und sein Antisemitismus

(Wie es mit Marianne, seiner Tochter, meiner Mutter weitergeht folgt demnächst)

 

 

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All about Grandma

Meine Großmutter war ein absolutes Miststück. Allerdings muss ich mild sein im Urteil über sie, denn ohne ihren folgenreichen Fehltritt, mit dem sie meiner Mutter vor über 100 Jahren auf die Welt verhalf, hätte es schließlich auch mich nicht gegeben.

Es begann in Stettin

Stettin

Alles fing am Beginn des 20. Jahrhunderts in Stettin an – von dem ich weiß, dass viele interessante Menschen durch diese Stadt geprägt wurden (z. B. Kurt Tucholsky) – wo meine Großmutter am dortigen Theater als Sängerin wirkte. In der pommerschen Stadt war auch ein Fahnenjunker – 23 Jahre alt – stationiert, der aus dem anhaltinischen Dessau stammte. Er war in einer ehrenwerten Apothekerfamilie aufgewachsen und begann nun seine militärische Karriere an verschiedenen Standorten. Wer die Familie meiner Großmutter war, ist ein bisschen im Dunkeln. Die Rede geht, dass es eine angesehene Kaufmannsfamilie gewesen sei, die in Stettin ansässig war. Aber, das passt nicht so recht zur Karriere der Großmutter. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie – die wohl so ziemlich aus der Art schlug – am Ort ihrer Familie auch ihre Engagements absolvierte. Seltsam ist, dass wir nie darüber gesprochen haben. Wurzeln waren sowieso nie so von Bedeutung in unserem kleinen Familientorso und das gehörte nebenher auch zu einer der guten Seiten der DDR. Da war nicht so viel Familiensinn vonnöten.

Auf den jungen Wilhelm Friedrich Loeper also traf die ehrgeizige exzentrische Helene und es kam wie es kommen musste. Wer da wen verführt hat, ist nicht mehr auszumachen. Wer mit wem an den Hakenterassen in Stettin flirtete und wer welche Waffen einsetzte – keine Ahnung. Aber, ich vermute, die Großmutter hatte da so allerlei in petto.

In der Lutherkirche

Jedenfalls erscheint am 15. Juli 1906 eine junge Frau in der Stettiner Lutherkirche, um ihr Kind -ein Mädchen – taufen zu lassen. Geboren war es schon mehr als zwei Monate vorher – ein Siebenmonatskind, ziemlich schwächlich. Das war meine Mutter.

Der Kindesvater ist natürlich nicht angegeben. Die Kindesmutter hat als Vornamen einen ihrer vielen Künstlernamen verwendet. Sehr verrückt für die damalige Zeit „Laura“. Später nennt sie sich Sonja. Sie heißt aber Helene. Als Beruf  – selten an dieser Stelle – ist „Schauspielerin“ angegeben.

Das Kind hat die mir bekannten drei schönen alten Vornamen – Marianne Helene Ida. Taufpaten sind der Inspizient eines Stettiner Theaters mit einem französischen Namen, seine Frau und noch eine weitere weibliche Person mit einem polnischen Namen. Wahrscheinlich waren sie auch die einzigen Anwesenden bei der Taufe. Die Leidenschaft für das Theater wird die junge Mutter bald mit ihrem Kind aus der Stadt in die Welt treiben. Und der Kindesvater wird bald zu anderen Standorten weiterziehen. Weil ich Glück hatte, erfuhr ich auch darüber Genaues. Es gab wohl ein Arrangement, die die Vaterschaft geheim hielt gegen die Abrede, dass er für das Kind sorgt. Das hat er getan. Viel mehr nicht. Aber seine Liebe zum Theater hat er behalten, wie sein späteres Leben zeigt.

Bei meinen Nachforschungen erfuhr ich, dass meine Mutter evangelisch getauft wurde. Ich kenne sie nur fromm-katholisch. Das hat mit ihrer Geschichte zu tun.

Denn als die Mutter das Kind nicht mehr zu den Orten ihrer Engagements mitnehmen konnte, wurde es in ein katholisches Mädchenpensionat gegeben. Es verbrachte seine ganze Schulzeit bei den Schwestern vom Armen Kinde Jesus im niederländischen Simpelveld.

Die Großmutter ist immer unterwegs

Die Großmutter also war immer unterwegs und – so die nicht beglaubigte Überlieferung – verjubelte das Geld, das sie für die Tochter bekommt lieber selbst.  Wie das möglich war ist nicht ganz erklärlich. Aber die Tochter erfährt dadurch manche Demütigung im Kloster. Immer mehr verschwindet auch die Mutter aus ihrer Erinnerung – es muss kaum Besuche gegeben haben. Was sie erinnert stammt aus den frühen Kinderjahren, bei denen sie die Mutter auf ihren Engagements noch begleitet hat. Sie weiß, dass die Mutter eine gute helle Sopranstimme hatte und sehr schnell zwischen musikalischen und künstlerischen Welten wandern konnte. Von der dramatischen Arie hin zu „Puppchen, Du bist mein Augenstern“.

Ob sie noch Verbindung zu ihrem ehemaligen Geliebten und Kindesvater hatte, ist völlig im Dunkeln. Als seine Tochter 8 Jahre alt war, war er auf dem Weg an die Front. Er war Hauptmann eines Pionierbataillons. Seine Briefe aus jener Zeit sind durch Umstände erhalten geblieben, die m mit seiner späteren Karriere in der Zeit des Nationalsozialismus zu tun haben.

Ein altes Foto

Diese Geschichte habe ich oft gehört in meiner Kindheit. Nie habe ich ein Bild gesehen von diesem Großvater. Erst nach 1989 und vor allem mit den Entwicklungen im Internet erfuhr ich mehr über ihn und weiß jetzt wie er aussieht.

Von der Großmutter gab es eine Künstlerpostkarte, auf der sie sehr exzentrisch aussieht.

Es stammt aus dem Besitz eines Onkels, den ich nur einmal in meinem Leben gesehen habe. Hinten auf dem Foto steht eine französische Widmung: Ma fils, ma petit chérie! Sie war sehr frankophil – die Großmutter.
Und sie sieht so aus, wie meine Mutter sie oft beschrieben hat, etwas kokett etwas leichtfertig, ein bisschen bemüht auf froh und munter getrimmt. „Kein Kind von Traurigkeit“, wie man so sagt.

Meine Großmutter aus dem Jahr 1952

1952

Obwohl: Sie ist schon ein bisschen vom Leben gezeichnet. Das Foto stammt aus dem Jahre 1952. Da lag ihre Karriere hinter ihr.
Die Rede geht, dass die die Großmutter die Männer ziemlich an der Nase herumgeführt hat. Einmal war sie regulär verheiratet und kriegte ein eheliches Kind. Das ist mein Onkel, der mir auch sehr langweilig-legitim vorkam, als ich ihn später kennen lernte. Die außerehelichen Kinder sind in dieser Familie die weitaus interessanteren. Dann hat sie – so geht die Fama – einen Mann so ruiniert mit ihrer Verschwendungssucht, dass der sich das Leben genommen hat. Er hat wohl Geld unterschlagen. Spannende Geschichte.

Einmal noch hat meine Mutter die ihre gesehen. Das war in Köln. Die Großmutter – damals auf dem Höhepunkt ihrer Karriere – fand es sehr unpassend, dass sie auf einmal ein fast erwachsenes Kind haben sollte. Außerdem war dieses Kind in der Klosterschule fromm und häuslich geworden. Es wollte der Mutter ein trautes Heim bereiten und sie betreuen. Das hat die Großmutter wohl sehr erschreckt. Diese Begegnung in Köln war ein Fiasko für Mutter und Tochter. Sie sahen sich jedenfalls nicht wieder. Meine Mutter sprach selten und natürlich bitter von der Großmutter. Die aber ließ sich nicht unterkriegen und nahm als sie älter wurde, eben kleinere Rollen an. Sie spielte die komische Alte.

Die komische Alte

Als der Krieg zu Ende war, spielte sie in Kinos oder auch in Kneipen Klavier und hielt sich so über Wasser. Als mein Onkel in den späten fünfziger Jahren meine Mutter besuchte, brachte er das Bild der Großmutter mit. Und er erzählte über ihr nunmehr tristes Leben. Sie hatte sich in Ahlbeck niedergelassen. Ich denke mir, das tat sie um in der Nähe ihrer jetzt polnischen Geburtsstadt zu leben. Sie bezog eine minimale Rente und galt nun auch im wirklichen Leben als komische Alte. Sie scherte sich wenig darum, was die Leute sagen. Sie hat gelebt, viel erlebt, zwei Weltkriege überstanden, einigen Männern das Herz gebrochen, und als das alles sich zu Ende neigte, ging sie halt mit dem Handwagen und suchte Abfälle zusammen, um ihre Rente aufzubessern. Sie muss eine unverwüstliche Optimistin gewesen sein. Als ich damals das Bild von ihr sah, fand ich sie alt, fremd und für dieses Alter auch zu auffallend mit den auf wuschlig frisierten Haaren und dem herausfordernden Blick. Ich habe ihr damals aus Jux sogar noch mit Farbstiften die Lippen rot angemalt und auch die Augenbrauen nachgezogen. Das war schwer wieder abzukriegen.

Kürzlich habe ich das Bild gescannt und mein Mann kam dazu.

Auch er guckte sich das Foto mit der lachenden „schrägen“ Großmutter an und grinste. Dann blickte er auf mich und sagte „Tja, die war ein flottes Ding, übrigens, Du siehst ihr ähnlich“.

(Das ist der erste Teil meiner Familiengeschichte, in der es eigentlich keine Familien gibt.)

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Andreas

Wenn man von einem Erbe Kenntnis erhält und es nicht fristgemäß ausschlägt, kann man ziemlichen Ärger bekommen. Davon hatte ich bis zum Spätsommer keine Ahnung. Dann wurde es mir bekannt.

Als ich den Absender des Briefes – das Nachlassgericht einer süddeutschen Kleinstadt – erkannte, hatte ich eine dunkle Ahnung. Sie teilten mir mit, dass ich als Erbin des zuletzt in NN wohnhaft gewesenen Andreas G. ermittelt worden sei. Andere Erbberechtigte hätten das Erbe ausgeschlagen. Wenn auch ich dies tun wolle, müsse ich das innerhalb von sechs Wochen entweder über einen Notar oder direkt über das für meinen Wohnort zuständige Nachlassgericht erklären. Sechs Wochen hat man Zeit für diesen Verwaltungsakt.

Andreas ist  mein älterer Bruder. Er starb schon im vergangenen März. Auch das habe ich erst durch das Nachlassgericht erfahren. Seit vielen vielen Jahren habe ich ihn nicht mehr gesehen. Oft aber an ihn gedacht.

Die Nachricht von seinem Tod hat mich mit tieferer Trauer erfüllt, als ich erwartete. Wie im Schnellmodus rasten die Jahre zurück und ich war wieder in der Kindheit.

Andreas – das sind die fünfziger Jahre, ständige Geldnot und Armut. Aber, das sind auch gemeinsame Entdeckungen, gemeinsames Spielen. Er konnte so gut die Schifferschaukel zum Schwingen bringen. Solange wir noch Kinder waren, war er der ältere große Bruder, er passte auf mich auf und verteidigte mich gegen alles Ungemach. Hin und wieder auch prügelten wir uns – wie alle Kinder. Er wäre gern eine Art Vaterersatz gewesen, aber ich ließ mir keine Bevormundung gefallen und verteidigte meine eigene Unabhängigkeit mit Zähnen und „Klauen“.

Er ist noch im Krieg in Leipzig geboren – seine Mutter, unsere Mutter – gab ihn nach einigen Monaten nach Lörrach im Süddeutschen in Pflege. Wegen der Bomben und wegen der Gefahr, in die sie sich durch die Liebe zu seinem Vater, einem französischen Fremdarbeiter, begeben hatte. Das ist eine lange Geschichte. Die katholische Kirche hat die Pflegestelle vermittelt. Nach dem Krieg und einem Zuchthausaufenthalt holte sie ihn in Lörrach ab und dort wurde ich gezeugt – ihr zweites Kind. Um ihn musste sie kämpfen, weil die Pflegefamilie ihn mit der Begründung, sie hätten nicht erwartet, dass sie noch einmal aus dem Zuchthaus kommt, nicht hergeben wollte. Aber meine Mutter ließ nicht locker und nahm ihn mit nach Leipzig.

Es ist schon seltsam im Leben. Den Sohn, der ein Kind der Liebe war, riss sie aus der Pflegefamilie und ließ ihn dann doch die Bitterkeit büßen, weil ihre Liebe sie verließ und wieder nach Frankreich verschwand.

Mich, ein Kind, das sein Entstehen den Kriegswirren verdankt und rein zufällig auf die Welt kam, liebte sie, obwohl mein Erzeuger, der zur französischen Besatzungsarmee gehörte, die Vaterschaft nie anerkannte. Flüchtiges Abenteuer und sexuelle Überredung – dazwischen lag es wohl. Ein völlig ungewolltes Kind, das sie eigentlich abtreiben wollte. Aber, der Arzt hat es nicht getan und so kam ich doch zur Welt. Das hat sie mir recht früh in meinem Leben, auch erklärt und immer hinzugefügt: „Und gerade Du, mein Kind, hast mir so viel Freude gemacht“. Sehr oft, wenn ich von höchst problematischen Mutter-Tochter-Beziehungen lese, stelle ich fest, dass ich meiner Mutter gegenüber weder Groll hegen noch alte Wunden pflegen muss. Sie war mir zugetan, sie liebte mich ohne Besitz- oder Dankbarkeitsgedanken und völlig ohne Erziehungseifer. Ich wurde auch so groß.

Andreas 2

Doch zurück zu meinem Bruder. Er stand – wie meine Mutter oft erzählte – ganz glücklich neben meinem Bettchen. Dabei war alles, aber auch alles für meine Mutter furchtbar schwer und zwischendurch klappte sie auch einmal völlig zusammen, lag über ein Jahr im Krankenhaus. Wir kamen in Kinderheime. Meine Mutter rappelte sich wieder auf und sagte später: „Ich durfte nicht sterben, ich wollte nicht sterben ich hatte doch meine Kinder.“

Eines ihrer Kinder aber, – mein Bruder – machte ihr viel Kummer. Er entwickelte sich schlecht, er konnte mit einem Jahr noch kaum laufen. Und meine Mutter war ungeduldig mit ihm, sie schlug ihn auch manchmal, während ich –wie sie mir einmal erzählte – zitternd dabei stand. Irgendwann aber wurde er älter und die Konflikte ließen sich mit Schlägen und Strafen kaum lösen.

Die Beziehung zwischen meinem Bruder und meiner Mutter blieb intensiv und hochemotional. Ich stand – als viel unkomplizierteres Kind – dazwischen und hatte manchmal Furcht, dass das alles zu einem wirklichen Drama wird. Ich verstand das nicht, es war etwas zwischen den beiden. Mein Bruder schämte sich für seine Mutter, er war viel konventioneller und konservativer als meine Mutter und ich. Er wollte nicht, dass ich über meine oder seine Herkunft sprach, er wollte eine Normalität, die es in den Nachkriegsjahren sowieso nicht gab.

Unsere Entfremdung und Entfernung voneinander begann schon bevor ich mit zwanzig Jahren von Leipzig nach Berlin zum Studium ging. Es keinen Grund, keinen „großen Krach“ ,der die Verbindung zwischen uns immer mehr lockerte.

Er selbst war früh aus dem Haus gegangen – hatte mit 20 Jahren schon geheiratet und ein Kind war auch da. Wenn ich aus Berlin zu Besuch kam, besuchte ich ihn manchmal, aber er machte mir immer und nachdrücklich deutlich, dass weder ich noch mein Studium noch mein Leben in Berlin ihn irgendwie interessierten. Er hatte nie Zeit, während seine bildhübsche Frau und ich gern und lange miteinander plauderten. Und im Sommer arbeiteten er und seine Frau er jedes Jahr an der Ostsee als Kellner.

Auch das währte nicht lange, denn mein Bruder ließ sich scheiden. Dann hörte ich lange nichts von ihm. Unsere Mutter besuchte er hin und wieder und meist kam er in einer Wolke von dramatischen und tragischen Geschichten. Er hatte sich geprügelt, er hatte seine Frau geschlagen, er hatte mit seinem Kind Kummer, er hatte kein Geld.

Später heiratete er wieder. Seine Frau war eine hübsche Blonde schlanke Person – die durch einen Sportunfall ein Bein verloren hatte. Aber, auch diese Ehe hielt nicht lange. Nach dem Tod meiner Mutter sahen wir uns gar nicht mehr, zur Beerdigung kam er nicht.

Erst nach 1989 rief er mich an und erklärte, dass er in Süddeutschland arbeite. Noch zweimal sprach er lange mit mir am Telefon und verwickelte mich in die Wirrnisse seines Lebens. Ich vermutete, dass es ihn – nach seinen ersten Lebensmonaten in Süddeutschland dorthin zurück trieb. Ich weiß es nicht. Mit unserer Kleinstfamilie ist das Unverbundene verbunden. Alle Verwandtschaftsverhältnisse sind ungefestigt, sind nicht legalisiert und manche sogar nicht ganz sicher. Der Gedanke an ihn tut mir weh, aber das Erbe habe ich – fristgemäß – ausgeschlagen.

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ABBA und Thomas Mann

ABBA hat etwas, das man nicht so einfach nachmachen kann. Jan Feddersen  würdigt die Originale bei der Rezension des CHER-ABBA-Albums.

Aber, ich finde trotzdem, es ist vor allem ein Zeichen für das Können der ABBA-Komponisten und Arrangeure, dass ihre Songs auch super klingen, wenn sie von anderen gesungen werden. Dass sie nie so gut sein können wie das Original, das ist halt so. Weiterlesen

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