Der Zeitgeist in hashtags

#fußball   – unterhält die Massen und bringt Geld

#kapitalismus – Sport im kapitalismus bringt viel Geld

#börse – weil Fußball viel Geld bringt, geht man an die Börse, um noch mehr Geld zu kriegen

# terrorangst – lässt sich ganz prima auch ökonomisch umsetzen, wie alle wissen.

#bombenanschlag – kann viele ursachen haben, aber die fiebrigen Zeiten animieren auch Menschen, die bis dato noch wenig mit Gewalt zu tun hatten.

#posttraumatische belastungsstörung – wird bei Sportlern gnadenlos entweder medial vermarktet aber ignoriert, wenn es um einen Spieltermin geht.

#gier – führt zu höchst anormalen Verhaltensweisen, die sich auch in Gewalt ausdrücken können.

# derivatenhandel – der Handel mit Optionsscheinen ist ein Geschäft, das mit

# wetten zu tun hat. Auch Sport hat mit Wetten zu tun – so schließt sich der Kreis.

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Karfreitag

Die Karwoche erinnert mich immer sehr an meine katholische Kindheit in der atheistisch-protestantischen Diaspora der Liebfrauen Gemeinde Leipzig-Lindenau.

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Erbarme Dich, Allah

Dieses „Erbarme Dich“ aus Bachs Matthäus-Passion fiel vor kurzem plötzlich mitten hinein in meinen Nachmittagsschlaf. Ich dachte erst, es gehörte noch zu der Sendung über Johannes Bobrowski zuvor, über der ich ein bisschen eingenickt war. Das Geigenspiel hätte leicht durchgehen können als eine süße-wehmütige Reminiszenz an ein Land, das in der Ferne und der Vergangenheit liegt – Sarmatien.

Eine Aufnahme die mir Durch und Durch ging. Sehr verlangsamt. Der Autor der ganzen Sendereihe über Bach, die seit vielen Wochen läuft, erklärte, dass dies eine alte Aufnahme der englischen Altistin Kathleen Ferrier (1912-1953) sei, der nur eine sehr kurze Karriere beschieden war. Sie starb mit 42 Jahren an Brustkrebs. Heutige Aufnahmen seien meist 2 Minuten kürzer als diese.

Die Suche nach dieser Aufnahme aber förderte weitere ganz wunderbare Entdeckungen zutage.

Erbarme Dich Allah singt Fadia Tom El-Hage eine Libanesin mit palästinensischen Wurzeln. Begleitet wird sie hier von einer Niederländischen Bläsergruppe, aber sie tritt meistens mit dem Ensemble  Sarband auf.

Ich war von diesen Tönen völlig verzaubert. Die Bitte um Erbarmen wandelt sich in eine bittere Klage.

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Johannes Bobrowski (1917 – 1965)

Der deutsche Dichter, den vielleicht gar nicht so viele Leute kennen. Oder doch? Ich bin vielleicht gar kein Maßstab. Ich kenne und verehre seinen Namen und freue mich über die vielen vielen Zeugnisse über sein Wirken.

Als ich 1966 nach Berlin kam, war er schon ein Jahr tot. Ich aber hatte eine poesiebegeisterte und auch -bewanderte Kommilitonin, die mir immer wieder von ihm sprach. Ich hörte ihr zu, respektvoll aber kenntnislos. Erst viel später gewann ich mehr Wissen über ihn. Er war einer, dessen früher, sinnloser Tod – er starb an einem, zu spät erkannten – Blinddarmdurchbruch – eine künstlerische Karriere beendete. Einen, der schon „groß“ war in seiner Zeit.  Eine Institution.

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Auch das nichts als ein Versuch

Hier kann man auch mal wieder nur konstatieren, dass dies nichts ist als ein Versuch. Dieser Vogel saß im Baum an der alten Charite in Berlin woselbst ich jüngst des Weges schritt.  In der Nähe am Humboldt-Hafen sind mächtig Bauarbeiten zugange und es kann sein, dass das Tier. darob so aufgeregt war. Überhaupt ist an vielen Orten ziemlich viel Betrieb in der Innenstadt.

Es stranden viele Leute in Berlin, was mir immer schmerzlich ins Gemüt fällt. Und die verstauen sich und ihre Habseligkeiten dann auf der anderen Seite – unter der Brücke am Hauptbahnhof.

Zelte 3

Zelte 2

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Eine Überfliegermeldung

Das ist mal wieder ein schlichter Versuch, einen „Überflieger“ -Text zu erstellen. Es stimmt kann ich an die „entsprechende Stelle“ melden, man kann Videos wirklich super einbinden. Inzwischen auch Bilder ganz prima – wenigstens meistens. Nun muss mir nur noch was einfallen.

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Eine Region – fremd und seltsam vertraut

Gladbeck ist eine kleine Stadt in Nordrhein-Westfalen, deren Name bei älteren ZeitgenossInnen u. a. „kriminelle“ Assoziationen auslöst: Banküberfall, Geiselnahme, medialer Supergau.
Im August 1988 überfielen Hans Jürgen Rösner und Dieter Degowski eine Filiale der Deutschen Bank in der Stadt. Als der Überfall missglückte, nahmen sie Geiseln und flüchteten durch Deutschland, begleitet von einem Journalistentross.
In einem gekaperten Bus erschossen sie den vierzehnjährigen Emanuele
De Giorgi, später kam noch die als Geisel genommene Silke Bischoff ums Leben.  Hier sind die ausführlichen Details

Und hier ein Hintergrund in der Welt

Beide Geiselnehmer haben ihre Strafe zwar abgesessen, aber entlassen ist bisher keiner von ihnen. Die medialen Begleitumstände wurden damals umfangreich und sehr kritisch diskutiert.

Jenseits dieser spektakulären Tat vor fast 30 Jahren ist die einstige Bergarbeiterstadt – die letzte Zeche wurde 1971 geschlossen – sehr unauffällig, aber nicht ohne Probleme. Wie viele Städte in Nordrhein-Westfalen hat auch Gladbeck immer wieder mit den Folgen des Strukturwandels zu kämpfen. Die Dienstleistungsbranche hat nicht genügend Arbeitsplätze geschaffen.

In Gladbeck gibt es die Steinstraße, die auch nicht weiter auffällig wäre, gäbe es dort nicht die Nr. 72. Wenn man im Gladbecker Lokalblatt Gladbeck recherchiert, findet man massenweise Beiträge über dieses Haus. Es ist ein L-förmiger Plattenbau, der die ringsum entstandene Einfamilien-Haus-Siedlung überragt und als ein Monument der jobcenter-finanzierten Prekarisierung gilt.

Es sei eine Totschlagadresse, wird in einem Beitrag des Lokalkompass Gladbeck erklärt. Menschen, die vom Jobcenter angewiesen wurden, ihre Mietkosten zu senken, fürchteten, zum Umzug gewungen zu werden und am Ende dort zu landen.

Ein Beitrag in der WAZ  aus dem vergangenen Jahr berichtet über einen Wohnungsbrand in der Steinstraße72. Es gab Mordfälle, Drogenprobleme und viele Alltagskonflikte.

Eigentlich sieht das Haus in der Steinstraße aus wie ein Plattenbau im Osten. Z. B. wie das Haus, in dem ich wohne. 33539500572_1ff32a4fdf_k
Unser Bau sieht freundlicher aus, weil vor einiger Zeit renoviert wurde. Das Umfeld ist anders, aber der Baustil ist der Gleiche.

Vielleicht ist das der Grund, dass ich mir bei einer Zufallsrecherche in der Mediathek des WDR ein altes Feature anhörte, das die „Platte“ in der Steinstraße behandelte.

Neun Stockwerke Deutschland  entstand im Jahr 2009. Ein Kosmos für sich, wie man so schön sagt, eine Welt, die das Leben von Menschen umgibt, die man gern als „abgehängt“ bezeichnet, die aber trotz allem recht lebensfroh „abhängen“. Z. B. im Laubengang, der die Stockwerke umrundet. Die meisten Mieter in jenem Jahr sind noch irgendwie „Originaldeutsche“, vor allem sind sie Originale. Da gibt es den „Bankräuber“, der immer mal wieder im Knast verschwindet, da gibt es einen polnischen Kraftfahrer, der seiner Ehefrau nachtrauert, die ihn verlassen hat.

Wie immer, wenn es um „öffentliche Räume“ geht, auch wenn sie sich hier ins Private verengen, sind es mehr die Männer, die sich artikulieren.
Die liefern eine Menge Weltsicht und Welterklärung und sie haben sich arrangiert mit der Welt und dem Leben.

Sieben Jahre später hat der Autor des Features die Steinstraße 72 Haus erneut besucht.
Neun Stockwerke neues Deutschland

Das Haus ist ein Spiegel der Veränderung, die die bundesdeutsche Gesellschaft gegenwärtig bewegen. Es sind mehr Migranten – Syrer, Bulgaren, Leute aus Rumänien – eingezogen. Es wird „fremder“ im Haus und die Mieter reagieren höchst unterschiedlich darauf. Philosophisch Gestimmte rufen das allgemein Menschliche auf, glauben an ein Miteinander und suchen Kontakt zu den Neuen. Eine junge Frau, die einen Flüchtling aus Nahost betreut und lieben lernte, erzählt von ihrer Abwehr gegen den schrecklichen Bau und ihr Entzücken als sie dann in der Wohnung war, die sie wunderbar fand. Aber: Es gibt in solch einem Haus wenig Möglichkeiten zur Abgrenzung, wenn sie nicht respektiert wird. Es gibt Lärm und Partys, aber auch – noch immer – Gemeinsames. Andere wieder erleben den Wandel als Bedrohung und gehen zur AfD. Schon immer aber hatte die Region viel mit Zuwanderern zu tun.
Aus Polen kamen sie früher um in der Kohle Geld zu verdienen, später aus Italien und der Türkei. Auch da ist das Ruhrgebiet ein Beispiel, manchmal im Guten und manchmal auch im Bedenklichen und Problematischen.

Von den Menschen und der Situation im Ruhrgebiet handelte auch die Lange Nacht beim Deutschlandfunk Tief im Westen.
Es ist schon seltsam, die Art, wie die Menschen dort ihr Leben meistern, wie sie denken und wie sie „ticken“, weckte in mir Erinnerung, scheint mir merkwürdig vertraut. Der Kultursoziologe Wolfgang Engler schrieb in seinem Buch „Die Ostdeutschen“ von der „arbeiterlichen Gesellschaft“  und Günter Gaus nannte in den 80ern die DDR ein Staatsvolk der „kleinen Leute“ . So ist auch das Ruhrgebiet eine Region der kleinen Leute, ein Gebiet, in dem die Familien vom Bergbau lebten, die Männer in den Schacht einfuhren und hart arbeiteten bis der Strukturwandel ihnen neue Lebensrisiken bescherte, die z. B. in ein Haus wie die Steinstraße 72 führten oder auch neue Chancen z. B. für die Frauen, denn für sie entstanden neue Arbeitsmöglichkeiten in der Dienstleistungsgesellschaft. Die Menschen vor Ort nennen als Kennzeichen der Region das Miteinander, die Hilfsbereitschaft, aber auch die lapidare Direktheit im Umgang ohne viel Theater. Hier erzählt Hagen Rether davon

Und ohne Jürgen von Mangers Tegtmeier kommt so eine Sendung auch nicht aus.

Tegtmeier

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Was soll das

Das kann ja alles an mir liegen. Immer, wenn ich mich –  nach einer gehörigen Zeit der Abstinenz – hierher verfüge, habe ich die Bearbeitungsregeln wieder vergessen und fange an, zu grübeln, wie das alles ging. Das dauert mindestens einen Vormittag.

Eigentlich will ich schon seit einigen Wochen meine Sachen sowohl hier als auch beim Freitag veröffentlichen. Aber, es gelingt mir nicht. Ich werde immer wieder durch diesen ganzen Quatsch verunsichert und aufgehalten.

Wie auch immer: Es wird so öde bei der FC – kleine Highlights mal außer Acht gelassen – dass man eine Domäne braucht.

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Bewegung am Bahndamm

Seit ich nicht mehr arbeiten muss, höchstens mal eine Mucke mache, fühle ich mich an manchen Tagen wie ein Kind beim Schulschwänzen. Heute bin ich in der Damerow-Straße an den Bahngleisen entlang geschlichen. Ich wollte die Bahn – sowohl die S- als auch die Fernbahn – auf meinen Fotoapparat bannen und möglichst auch noch eine der über Pankow einfliegenden Maschinen. Warum – weiß ich nicht. Es war ein zweckfreier Wunsch.

 

Da ist ein kleiner Trampelpfad in Richtung Heinersdorf und neben dem Drahtzaun fahren schon die S-Bahnen. Mir gefällt das. Ich stand also auf der Lauer, aber es kam kein entsprechendes Motiv. Und immer, wenn ich mich – ungeduldig – wieder in Bewegung setzte, fing auch die Bewegung in der Luft und auf den Schienen wieder an. Als hätten die sich verschworen und immer zugerufen: „Isse weg?“ . Bis ich eine halbwegs gute Stelle bei den Fahrradständern fand. Das Ergebnis dieser Lauerarbeit ist unscharf. Macht aber nichts. Der Weg am Bahndamm – bei diffusem Licht also ohne direkte Sonneneinstrahlung – der bringt ein beruhigendes „long-ago-feeling“.

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Video des Grauens

Sehr lustig, dieser verrückte Vogel in dem Billig-Shop. Wenn man zu nahe kommt, fängt der an, zu spektakeln. Ich musste den einfach aufnehmen. Der ganze Laden hatte solche Halloween-Geisterbahn-Sachen. Es spukte dort aufs allerbeste.

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