Historie und Kerygma

Es gibt theologische Konstruktionen, die man frohen Herzens auch für  die Erklärung der Phänomene in der säkularen Welt verwenden kann. Z. B. das pfiffige Ding mit der Historie und dem Kerygma.

Es ist so: Die Figur des Jesus von Nazareth

zerfällt in zwei Bestandteile – mindestens

Der  erste Bestandteil, das ist jener Jesus, der als Sohn von Maria und Josef in Nazareth geboren ist. Die Existenz dieses Mannes ist historisch belegt. Das ist der historische Jesus, dessen Lebensweg verfolgt und kritisch erforscht wird.

Der andere Jesus-Bestandteil ist das, was über ihn so erzählt wird. Darüber, was er so alles gesagt und getan hat. Das muss der oder die Gläubige nicht für wahr halten, aber es ist von Belang wenn die Gläubigen bei Laune gehalten werden sollen.

Alles, was man – zwecks Legitimierung von Glaubensregeln und – sätzen – in Jesus‘ Mund gelegt hat, das ist halt der kerygmatische Jesus – der Jesus der Verkündigung. Und es wurde eine Menge über ihn so erzählt von vielen vielen historischen Überlieferern

Für moderne Zeiten könnte man auch sagen:

Es gibt Jesus und es gibt das Jesus-Narrativ

Diese nützliche theologische Konstruktion sollte man tatsächlich nicht den Theologen allein überlassen.

Eigentlich gibts diese doppelte Sichtweise sowieso für jeden Menschen, der irgendwie in Erscheinung tritt.  Nicht nur alle bedeutenden Menschen  – Politiker, Künstler oder berühmte Wissenschaftler – haben eine historische und eine kerygmatische Gestalt. Bei Politikern kann man zusehen, wie die aktuelle konkrete Figur fast täglich ins kerygmatische gewandelt wird. Die Medien tun da ’ne Menge hinzu. Aber, auch die ganz normalen Leute, Menschen wie Du und ich. haben so eine konkrete  und eine verkündete Gestalt. Heutzutage – auch das eine Folge der medialen Entwicklung – legen viele Wert auf das, was über sie „verkündet“ wird. Die Überlieferung heißt „facebook“ oder „Blog“ und so weiter.

Super. Mir fiel – bei  meinem Hang ins Triviale – auch gleich der Text eines alten Lobo-Songs ein:

Why does everyone have

more than one face

Und das bedeutet, meine reale, also „zeit“historische Existenz differiert ein bisschen von dem, was über mich verkündet wird. Glaubt es mir einfach. Und das, was ich über mich verkünde, das ist dann schon wieder was anderes.

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Bitte durchlüften

Eine prima Analyse der gegenwärtigen Verhältnisse, die mich aber trotzdem nicht zu arg pessimistisch stimmt. Es ist Wandel und das ist immer gut.

Die Ausrufer

Post-Jamaika ist Ergebnis und Prüfstand des deutschen Konservatismus. Dafür sollte er geradestehen.

Der Spin war schon Montagmorgen zu lesen. Da wurde das alte Motto der SPD ausgegraben „Erst das Land, dann die Partei“. An gleicher Stelle („Die Lage“, SPON) schrieb Christiane Hoffmann gestern in der Früh abermals im Indikativ, dass die SPD „sich doch auf eine Große Koalition einlassen muss“. Kein Wunder, dass Wolfgang Kubicki für die Verhandlungsabbrecherin FDP völlig ungeniert damit schwadronieren konnte: „Wenn es zu Neuwahlen kommt, sind Sozialdemokraten daran Schuld“. Oder n-tv etwas von „Staatsräson und Verantwortungsbewusstsein“ schwafelte, denen sich die SPD entziehen würde.

Größter Verlierer dieser Wahlen und damit verantwortlich für die Situation ist aber der deutsche sog. Konservatismus. Mindestens fünf Mal hat Angela Merkel mit Regierungsbeschlüssen sogenannte klassische Positionen der Unionsparteien abgeräumt: Atomausstieg (nach Fukushima), Ende der Wehrpflicht, Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem, Frauenquote in…

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Vörosmarty – Liebe und Zahnschmerz

„Dort müssen Sie hin, unbedingt“, sagte mir damals Professor Hajduk, ein Theologe. Ich bewohnte für einige Tage ein Zimmer in seiner Altbauwohnung in der vas uca mitten in Pest. Es grenzte an ein dunkles, etwas modriges Bad mit einem runden Gasboiler, der zischend ansprang, wenn man den Wasserhahn andrehte. Es war sehr schwierig für DDR-Bürger, in Ungarn ein Privatquartier zu kriegen und dann noch in Budapest – ein Glücksfall. Weiterlesen

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Feindesliebe aus Weltweisheit

Ihr habt gehört, daß gesagt ist: „Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen.“  Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vater im Himmel; denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte.…“(Matthäus 5) Weiterlesen

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Manchmal wär ich gern wieder fromm

Manchmal wäre ich gern wieder fromm, gern ein bisschen mehr berechtigt, ein paar Bibelverse zu zitieren. „Offene Grenzen für alle in Not“ hat eine Entsprechung in der Bibel: „Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.“ (Matthäus 25, 35.)

Aber, ich bin – im Gegensatz zu Oskar Lafontaine – nicht mehr katholisch. Weiterlesen

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