Johannes Bobrowski (1917 – 1965)

Der deutsche Dichter, den vielleicht gar nicht so viele Leute kennen. Oder doch? Ich bin vielleicht gar kein Maßstab. Ich kenne und verehre seinen Namen und freue mich über die vielen vielen Zeugnisse über sein Wirken.

Als ich 1966 nach Berlin kam, war er schon ein Jahr tot. Ich aber hatte eine poesiebegeisterte und auch -bewanderte Kommilitonin, die mir immer wieder von ihm sprach. Ich hörte ihr zu, respektvoll aber kenntnislos. Erst viel später gewann ich mehr Wissen über ihn. Er war einer, dessen früher, sinnloser Tod – er starb an einem, zu spät erkannten – Blinddarmdurchbruch – eine künstlerische Karriere beendete. Einen, der schon „groß“ war in seiner Zeit.  Eine Institution.

Am 9. April vor 100 Jahren ist Bobrowski in Tilsit geboren. Und er hat seine Herkunft auf einzigartige Weise in seinen Erzählungen und Gedichten zum immerwährenden Thema gemacht.

Es gibt über ihn sehr gute Beiträge.   Z. B. Annett Gröschner in der Welt

Ein Gedicht von ihm.

DAS WORT MENSCH

Das Wort Mensch, als Vokabel
eingeordnet, wohin sie gehört,
im Duden:
zwischen Mensa und Menschengedenken.

Die Stadt
alt und neu,
schön belebt, mit Bäumen
auch
und Fahrzeugen, hier
höre ich das Wort, die Vokabel
hör ich hier häufig, ich kann
aufzählen von wem, ich kann
anfangen damit.

Wo Liebe nicht ist,
sprich das Wort nicht aus.

Vor einiger Zeit war ich unterwegs in Meuselwitz. Und ich traf da auf eine Ausstellung über den „Sohn der Stadt“ Wolfgang Hilbig. Darunter auch ein Brief von Johannes Bobrowski, der damals Cheflektor im Unions Verlag war. Viele Jahre später hatte ich auch immer mal im Union Verlag zu tun. Mit Wolfgang Hilbig in Meuselwitz

 Die Briefe Bobrowskis sind jetzt in einer hochgeloben Edition erschienen. Deutsch-deutsche-Geschichte.

Über Johannes Bobrowskis Briefe

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3 Antworten zu Johannes Bobrowski (1917 – 1965)

  1. justrecently schreibt:

    Namen für den Verfolgten

    Der hereinkommt
    im verhängten Fenster
    spricht er die Namen nach,
    die ich ihm gebe,
    Vogelnamen und den Namen des Raubaals.

    Gerwe, spricht er,
    wie eine Kranichfeder die Luft streicht
    Angurys, wie unter der Wasserfläche
    ein Schatten sich naht.

    Zuletzt gebe ich ihm
    den Namen Holunder, den
    Namen des Unhörbaren, der
    reif geworden ist
    und steht voll Blut

    Gefällt 1 Person

  2. madge1946 schreibt:

    Inzwischen hat Matthias Dell beim Freitag die Filme von Volker Koepp zum Thema noch einmal in Erinnerung gebracht. https://www.freitag.de/autoren/mdell/reise-osten-abrechnung
    Und das ND hat auch einen guten Beitrag.
    https://www.neues-deutschland.de/artikel/1047466.erzaehlen-was-die-leute-nicht-wissen.html

    Gefällt 1 Person

  3. umtriebe schreibt:

    ich weiß nicht – Bobrowskis Gedichte, mit denen mich in der Vergangenheit intensive Lektüren verbanden, sind mir im Augenblick so fremd, so fern …

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